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Das ist Deutschland hier - und nicht Christland!

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Der Koalitionsvertrag steht seit heute. Die Regierung dieses Landes konstituiert sich hierdurch. Dieses Land heißt "Deutschland", also das Land der Deutschen. Aller Deutschen, egal welcher Partei sie angehören, welcher Weltanschauung oder Religion, welchem Geschlecht, welcher sexuellen Orientierung, egal woher sie kommen, ob reich, ob arm, usw. Es ist also insbesondere nicht das Land der Christen, ist nicht "Christland", nein, die Humanisten, Atheisten, Agnostiker, Freidenker, Aufklärer, nicht-christlichen Religiösen usw. gehören gleichberechtigt ebenfalls dazu.

Auszug aus dem Koalitionsvertrag, S. 113:

Kirchen und Religionsgemeinschaften

Wir werden den Dialog mit den christlichen Kirchen, Religionsgemeinschaften und religiösen Vereinigungen sowie den freien Weltanschauungsgemeinschaften intensiv
pflegen.

Sie bereichern das gesellschaftliche Leben und vermitteln Werte, die zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft1) beitragen. Wir bekennen uns zum Respekt vor jeder Glaubensüberzeugung. Auf der Basis der christlichen Prägung unseres Landes setzen wir uns für ein gleichberechtigtes gesellschaftliches Miteinander in Vielfalt ein. Die christlichen Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände sind in vielen Bereichen unserer Gesellschaft unverzichtbar, nicht zuletzt im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich, bei der Betreuung, Pflege und Beratung von Menschen sowie in der Kultur.

Zahlreiche Leistungen kirchlicher Einrichtungen für die Bürgerinnen und Bürger sind nur möglich, weil die Kirchen im erheblichen Umfang eigene Mittel beisteuern2) und Kirchenmitglieder sich ehrenamtlich engagieren. Wir halten daher auch am System der Kirchensteuern fest, damit die Kirchen Planungssicherheit haben. Nur so können sie die eigenfinanzierten Leistungen zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes weiter sicherstellen. Zugleich wollen wir die kirchlichen Dienste weiter unterstützen. Dabei achten wir die kirchliche Prägung der entsprechenden Einrichtungen.

Zum Gedenken an den weit über die Grenzen Deutschlands und Europas hinaus bedeutenden 500. Jahrestag der Reformation 2017 wird auch der Bund einen angemessenen Beitrag leisten.

Dankbar stellen wir das Erstarken des jüdischen Lebens in unserem Land fest. Wir unterstützen die jüdischen Gemeinden und die jüdische Wohlfahrtspflege, zum Beispiel bei der Integration von Zuwanderern und dem Auf- und Ausbau von Bildungs- und Kultureinrichtungen. Den vielfältigen Beiträgen muslimischer Vereine und Verbände zu unserem Gemeinwesen -- etwa zur Integration muslimischer Zuwanderer und ihrer Nachkommen in unsere Gesellschaft, wie auch zum Dialog zwischen den Kulturen und Religionen -- gilt
unsere Wertschätzung und Unterstützung. In diesem Sinne wollen wir die Deutsche Islam Konferenz fortsetzen.3)

Eine offene Gesellschaft bietet im Rahmen der Verfassungsordnung allen Religionen den Freiraum zur Entfaltung ihres Glaubens. Das bewährte Staatskirchenrecht in unserem Land ist eine geeignete Grundlage für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften.

Also wohl doch immer noch Christland?

Ein paar Anmerkungen dazu:

1) Getrennter Religionsunterricht, für jede Konfession extra, statt gemeinsamer Ethikunterricht für alle, und Aufklärung über die Religionen auf religionswissenschaftlicher Basis. Religion verbindet? Nein, Religion trennt.

2) Die Kirchen tragen zu weniger als 2% zum Haushalt der Caritas und der Diakonie bei. Der Löwenanteil stammt vom Staat sowie den Krankenkassenbeiträgen der Versicherten. Die Krankenhäuser werden komplett vom Staat (genauer: von den Ländern) gebaut, ihre Leistungen rechnen sie mit den Krankenkassen ab. Siehe "Violettbuch Kirchenfinanzen", von Carsten Frerk. Nicht mal die Blumen für die Krankenhauskapellen werden von den Kirchen selbst bezahlt!

3) So sichern sich die kleiner werdenen christlichen Kirchen die Unterstützung der anderen Religionen. Wer für den Laizismus, also die strikte Trennung von Staat und Religion, eintritt, ist dann am Ende einer, der gegen die (muslimischen, oder noch schlimmer: gegen die jüdischen!) Minderheiten agitiert - so werden sie es darstellen. Das ist ein infames Spiel, das da läuft.

Nachtrag 17.12.13:
Anlässlich der heutigen Vereidigung der neuen Regierung hat Bernd Vowinkel auf hpd.de den Koalitionsvertrag noch ausführlicher "gewürdigt", siehe http://hpd.de/node/17429

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