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Jetzt reichts! Warum nicht einen Bischofssitz einsparen?

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An die Stuttgarter Zeitung und den Focus.
Von Werner Koch.

Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion,

die reichen Großkirchen in Deutschland fallen wieder einmal auf, dieses Mal durch Missstände und die Maßlosigkeit eines einzelnen Bischofs.

Die Abgehobenheit des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst führt vor wie es ist, wenn man sich für den Gesandten Gottes hält, der niemandem eine Rechenschaft schuldig ist. Bischöfe sind eine geschützte Spezies, die nicht von den Kirchen und nicht durch die Kirchensteuer der Kirchenmitglieder finanziert werden.

Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt jedes Jahr. Da die Priestergehälter aus der Kirchensteuer gezahlt werden, reduziert die Kirche auch die Zahl der Priester/Pfarrer. Nicht jedoch die Zahl der Bischöfe.

Was unterscheidet die Kirchen von anderen Marktteilnehmern, die mit dem Geld haushalten müssen? Wenn Firmen weniger Umsatz und Gewinn machen, werden Mitarbeiter abgebaut. Das schließt in der Regel mit ein, dass auch Managementpositionen reduziert werden. Wenn Kommunen Geld sparen müssen, gab es in der Vergangenheit z. B. Zusammenschlüsse von Gemeinden. Auch Landkreise und Bundesländer haben sich schon zusammengeschlossen. Aus Baden und Württemberg wurde zum Beispiel Baden-Württemberg.

In Deutschland gibt es 7 Erzbistümer und 20 Bistümer (katholisch) und 20 Landeskirchen (evangelisch). In Baden-Württemberg gibt es das Erzbistum Freiburg, das Bistum Rottenburg-Stuttgart, die Evangelische Landeskirche in Württemberg (Sitz: Stuttgart) und die Evangelische Landeskirche in Baden (Sitz: Karlsruhe).

Warum hat man noch nie von einem Zusammenschluss der Bistümer, den kirchlichen Verwaltungsbezirken, gehört? Weil nicht die Kirche, sondern der Staat/Steuerzahler die Bischofsgehälter bezahlt. Auch der Anteil von nahezu 40% der Bevölkerung (konfessionsfreie, Muslime, Hindu, etc.) bezahlt zwangsweise mit seinen Steuern die Gehälter und Pensionen der „höheren Geistlichkeit“!

Da sich die Politiker und Kirchenvertreter meist bestens verstehen und gegenseitig unterstützen, kommt bei den gewählten Politikern keiner auf die Idee, dass man bei den sogenannten Staatsdotationen/Bistumsdotationen einmal Einsparungen vornehmen müsste. Diese Dotationen, die jährlich an die evangelische und die katholische Kirche fließen, machen aktuell ca. 481 Millionen Euro im Jahr aus und werden von den Ländern bezahlt – mit der erfreulichen Ausnahme der Stadtstaaten Hamburg und Bremen: „wir haben in den letzten 800 Jahren noch nie freiwillig an Dritte finanzielle Leistungen gegeben“ (1).

Die Staatsdotationen beruhen auf Vereinbarungen aus dem Jahr 1803. Im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurde aber bereits die Ablösung der jährlichen Entschädigungszahlungen vorgesehen. Der Auftrag zur Auflösung wurde in Art. 138 der WRV und in Artikel 140 GG wiederholt – und besteht noch heute und harrt der Umsetzung. Wo gibt es das sonst noch, dass Zahlungsansprüche aus dem Jahr 1803 in alle Ewigkeit bestehen, zwei Währungsreformen im letzten Jahrhundert unbeschadet überstanden haben und heute noch jährlich entsprechend der Steigerung der Beamtengehälter angehoben werden? Alle anderen Geldwerte und Zahlungsansprüche wurden bei den Währungsreformen entwertet – egal ob Sparbücher, Kriegsanleihen, Lebensversicherungen, etc.!

Jetzt wäre die Gelegenheit, einmal eine Grundsatzdiskussion zum Thema Staatsleistungen an die Kirchen zu führen und die Staatsdotationen zu beenden. Die Großkirchen sollten von sich aus noch einen Schritt weiter gehen und auch den unter Hitler eingeführten und weltweit einmaligen Kirchensteuereinzug durch den Staat beenden. Die Entweltlichung wäre ein starkes Glaubensbekenntnis, die das Vertrauen der Kirchenmitglieder in die Kirchenvertreter wieder stärken könnte.

Die Großkirchen haben im Laufe der Zeit Reichtümer angesammelt, nicht nur in Deutschland. Warum sind die Kirchen dermaßen auf irdische Besitztümer erpicht, dass sie gar nicht genug zusammenraffen können? Glauben die irdischen Vertreter Gottes nicht an das Jenseits? Den Kirchenbesuchern wird gepredigt, dass irdische Besitztümer eine Belastung sind, die dem ewigen Leben im Wege stehen können: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ – Markus 10,25 EU.

Die in Deutschland sogenannte „hinkende“ Trennung von Kirche und Staat sollte endlich vervollständigt werden. Konfessionsfreie fühlen sich durch die allgegenwärtige Präsenz der Kirchen(-vertreter) bevormundet und werden durch die Privilegien der Kirchen benachteiligt.

Referenzen:

(1) Hamburgs Erster Bürgermeister Henning Voscherau, http://www.focus.de/politik/deutschland/bistuemer-keine-muede-mark_aid_1...

Siehe auch:

Staatsleistungen an Kirchen sind einzustellen, http://www.hpd.de/node/16259
Flyer „Staatsleistungen an die Kirchen ablösen!“, http://www.giordano-bruno-stiftung.de/sites/default/files/download/korso...

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