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Der Quasiplasmodische Gurgelhurz

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Was sagt wer?

Atheismus
Der Atheist sagt: "Einen Gott gibt es nicht."

Agnostizismus
Der Agnostiker kritisiert den Atheisten: "Du kannst nicht wissen, ob es einen Gott gibt oder nicht."

Ignostizismus
Der Ignostiker kritisiert den Agnostiker: "Du kannst nicht wissen, ob man das wissen kann - du weißt doch gar nicht, wovon die Rede ist."


Spring nicht über's Stöckchen...

Sowohl Atheisten als auch Agnostiker springen allzu gerne über das Stöckchen, das ihnen die Abergläubigen hinhalten, wenn sie etwa sagen: "Du weißt doch, was wir meinen, wenn wir von 'Gott' reden. Natürlich weißt du das, das weiß doch jeder. Auch wenn wir das nicht so richtig ausdrücken können, irgendwie ist das doch klar. Also lass uns drüber reden." Und sie reden drüber. Tauschen Argumente für und wider die Existenz dieses "Gottes" aus, reden über die Grenzen des Wissens, usw. Und weil sie sich nicht einigen können, schlagen sie sich am Ende die Köpfe ein.

Wie sollten sie sich auch einigen? Worüber? Wie kann man sinnvoll über "Gott" reden, wenn keiner weiß, wovon eigentlich die Rede ist?

Und sie reden und reden und reden und reden und reden und reden... und werden noch tausend Jahre weiter reden.
Und keiner weiß, worüber.

Kein Theologe und kein Bischof hat je erklären können, was das sein soll, ein "Gott".
Sie wissen nicht, woran sie glauben.


Der Quasiplasmodische Gurgelhurz

Stell dir vor, du läufst durch die Straße, kommst grad vom Einkaufen, bist in Gedanken und willst nur noch nach Hause. Da spricht dich jemand an; du kennst ihn nicht, weißt nichts über ihn und über das, was er sagt: "Es gibt einen Quasiplasmodischen Gurgelhurz!".

Was ist der allererste Gedanke, der dir durch den Kopf geht? Vielleicht liege ich ja falsch, aber ich denke, es muss so etwas sein wie "Einen was?". Du nimmst das doch nicht einfach so hin und fängst an, mit ihm über seinen "Quasiplasmodischen Gurgelhurz" zu reden - erst willst, nein musst du doch wissen, wovon er überhaupt redet! Und von wem erwartest du - selbstverständlich - die Antwort darauf? Na, von ihm natürlich, oder nicht? Er hat doch davon angefangen!

Er mag dir ja leid tun, weil er auf deine Rückfrage hin nicht in der Lage ist, dir zu erklären, was er meint. Dennoch bleibt es an ihm - es gibt schlicht keine andere Möglichkeit: Du kannst es ihm nicht abnehmen und ihm erklären, was er meint.

Wenn von "Gott" die Rede ist, dann sind mit diesem Begriff so viele Assoziationen verbunden, auch beim eingefleischtesten Atheisten, dass irgendwie jeder zu wissen meint, wovon die Rede ist. Das ist aber nicht der Fall. Von Michael Schmidt-Salomon habe ich darum für mein Beispiel den "Quasiplasmodischen Gurgelhurz" entlehnt: Das Wort hat keinerlei Bedeutung, weckt keinerlei Assoziation und bedeutet das genau gleiche, wie "Gott" - nämlich gar nichts. Davon gehe ich solange aus, bis einer, der von einem "Quasiplasmodischen Gurgelhurz" / "Gott" redet, mir erklären kann, was er meint. Er muss es mir erklären. Und ich komme ihm keinen Schritt entgegen. Keinen Millimeter.

Wenn du nicht weißt, was ein "Gott" ist, dann schicke ich dich hiermit nach Hause in dein stilles Kämmerlein. Da denkst du dann mal drüber nach, und wenn du es herausgefunden hast, dann kommst du wieder und erzählst es mir. Vielleicht haben wir dann etwas, worüber wir reden können. Bis dahin verweigere ich dir jede Diskussion!


Müssen Wissenschaftler Agnostiker sein?

Von Florian Freistetter (science blogs) gibt es einen lesenswerten Artikel zum Thema Agnostizismus. Er frägt, ob Wissenschaftler Agnostiker sein müssen, und kommt zu dem Schluss, dass dem nicht so ist.

Zitat Florian Freistetter: [...] Wir alle haben zwar eine bestimmte Vorstellung von dem, was das Wort “Gott” bedeutet. Aber es fehlt eine klare und allgemeingültige Definition. “Gott” kann der alte Mann mit weißem Bart sein, der im Himmel wohnt und uns alle vor knapp 6000 Jahren geschaffen hat. “Gott” kann die abstrakte Dreieinigkeit aus Vater/Sohn/Heiliger Geist bezeichnen. “Gott” kann die Stimme aus dem Feuer sein, die mit Begeisterung ganze Völker vernichtet. “Gott” kann irgendein “Prinzip” sein, dass die Welt durchdringt. “Gott” kann alles mögliche bedeuten und darum greift hier die Argumentation mit dem Agnostizismus nicht. Welche Definition des Wortes “Gott” ist gemeint, wenn man sagt “Man kann nicht beweisen ob es Gott gibt oder ob es Gott nicht gibt”? Wenn mit “Gott” der kreationistische Schöpfer gemeint ist, der das Universum vor 6000 Jahren erschaffen hat, dann kann man sehr wohl zeigen, dass es ihn nicht gibt. Wenn “Gott” allmächtiges, allwissendes, allgütiges Irgendwas sein soll, dann ist das ein logischer Widerspruch. Und so weiter. Man kann nur dann tatsächlich konkrete Aussagen über die Existenz oder Nicht-Existenz von “Gott” machen, wenn man vorher genau festlegt, was das Wort “Gott” bedeuten soll. [...] Weiterlesen...

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