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Leserbrief: Darwins behauptete Bekehrung ist falsch

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Leserbrief an Sonntag Aktuell zu dem Artikel „Darwins Zeugen“ im Reiseteil über die neue Rostocker Erlebniswelt.
Von Dieter Kaiser.

In Leserbriefen auf diesen Artikel wurde behauptet, dass Darwin sich an seinem Lebensende zum christlichen Glauben bekehrt habe. Das erinnert mich an das Gebot „Du sollst nicht lügen“. Es sei denn, die Leserbriefschreiber wissen es nicht besser.
Es wird immer wieder von Gläubigen behauptet, Darwin habe sich vor seinem Tode bekehrt, weil sie darin einen Beweis für ihren eigenen Glauben sehen und diesen verbreiten wollen. Hierzu zitiere ich die Aussagen von Reinhard Junker. Er arbeitet bei der Studiengemeinschaft Wort und Wissen e.V. Dies ist ein Zusammenschluss von Christen aus vorwiegend wissenschaftlichen Berufen. Die Mitarbeiter vertreten die biblische Schöpfungslehre.
Dort heißt es: „Eine Lady Hope habe Darwins Bekehrung miterlebt als er im Frühjahr, am 19. April 1882 starb. Darwins Bekehrung wäre also schon viele Monate vor seinem Tod erfolgt und daher bei seinem Bekanntheitsgrad sicher nicht unbekannt und unbemerkt geblieben. Tatsächlich geht aus einem Schreiben Darwins noch drei Wochen vor seinem Tod hervor, dass er seine agnostische Gesinnung nicht aufgegeben hat. Im Alter von 70 Jahren, gut zwei Jahre vor seinem Tod, bezeichnete er die Lehre, wonach auf Ungläubige eine ewige Strafe warte, als eine "verdammenswerte Lehre", zumal auch sein Vater, Bruder und alle seine besten Freunde betroffen wären. Eines seiner letzten überlieferten Worte von ihm sind: "Der Unglaube beschlich mich ganz allmählich, war aber zuletzt vollständig." Weiter ist die Aussage, dass Darwin als junger Mensch mit unausgegorenen Vorstellungen seine Zweifel und Ideen hinausschleuderte, vollkommen unglaubwürdig, da er seine Theorie erst im nicht mehr gerade "jugendlichen" Alter von 49 Jahren in einem kurzen Beitrag 1858 veröffentlichte. Sein Hauptwerk Über die Entstehung der Arten erschien dann ein Jahr später. Über seine Ideen hatte er damals bereits mehr als 20 Jahre lang intensiv nachgedacht und mit vielen Naturforschern eingehend diskutiert und korrespondiert. Darwins Tochter Henrietta war am Sterbebett ihres Vaters. Sie widersprach der Behauptung, ihr Vater sei kurz vor dem Tode Christ geworden und bestritt auch, daß es Besuche von Lady Hope gegeben habe. Außerdem habe ihr Vater nie seine wissenschaftlichen Vorstellungen revidiert.1 Darwins Sohn Francis schrieb ein Buch über seinen Vater, in welchem er nichts über eine Bekehrung erwähnt. Darwins Frau Emma war eine gläubige Frau, die unter dem Unglauben ihres Mannes litt. Eine Umkehr hätte sie mit Sicherheit hoch erfreut und ihrer Umgebung bekannt gemacht. Sie überlebte ihren Mann viele Jahre.
Die Geschichte von Lady Hope ist unglaubwürdig, da sie allen Zeugnissen über Charles Darwins Werdegang in Fragen des Glaubens widerspricht. Es ist bedauerlich, dass diese Geschichte offenbar erfunden wurde, um Menschen den Glauben an Jesus Christus und die Bibel nahezubringen. Solche Legenden schaden daher nur.“

Kommentare

Ich wundere mich, dass von Ihrer atheistischer Seite so großen Wert darauf gelegt wird was Darwin glaubte oder nicht. Sie glauben doch nicht an ihn sondern an seine Theorie? Diese schließt übrigens Gott an keiner Stelle aus... Wären sie Gott, hätten sie Leben nicht auf ähnliche Weise so weit wie möglich SELBSTständig WERDEN lassen?
Meine Sichtweise: Auf unserer Stufe ist die Möglichkeit, sich einem Atheismus hingeben zu können, ohne das ein Engel mit feurigem Schwert, bereit zu entsprechender Sanktionierung, hinter uns stehend((oder Gottes Existenz mathematisch zu berechnen ist (abgesehen von 1 ist ungleich 0)) auch eine Vorraussetzung für ein SELBSTständiges zum Glauben finden. Meiner Erfahrung nach lässt sich Gott finden wenn man soweit ist. Ich empfehle generell Literatur von Franz Jalics und speziell für Agnostiker und Atheisten das Buch: "Wie Sie garantiert in den Himmel kommen - und auch wieder heraus: Eine Erzählung mit Denkpausen". Mit Atheisten komme ich im allgemeinen übrigens besser klar ;).

Dank fürs Lesen und Gruß

J.

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Der Leserbrief stammt von Dieter Kaiser, nicht von mir. Ich selbst bin kein Atheist, sondern Evolutionärer Humanist und als Aktivist bei der Giordano Bruno Stiftung. Der Evolutionäre Humanismus ist ein Naturalismus, aber kein Atheismus - es gibt Götter, die durchaus mit einem naturalistischen Weltbild vereinbar sind. Dementsprechend haben wir etwa Deisten und Pantheisten in unseren Reihen. Giordano Bruno selbst war Pantheist.

Ihr erster Satz geht bereits am Inhalt des Leserbriefs vorbei, der ja reagiert auf Gläubige, die großen Wert darauf legen, dass Darwin sich angeblich kurz vor seinem Tode bekehrt habe. Dass dies falsch ist, wird durch den Leserbrief belegt.

Für unsere "atheistische" Seite ist es in der Tat ohne Belang, ob Darwin an einen "Gott" (was immer das ist) geglaubt hat oder nicht. Wir glauben in der Tat nicht an Darwin, aber auch nicht an seine Theorie. An wissenschaftliche Theorien wird nicht geglaubt, sondern sie werden geprüft und auf ihre Erklärungs- und Voraussagekraft hin untersucht. Sie können nicht bewiesen, sondern nur widerlegt werden. Letzteres im Gegensatz zu Religionen und esoterischen Weltbildern; diese können nicht einmal widerlegt werden, da ihre Aussagen unklar sind. "Religionen sind nicht einmal falsch." sagte ein Physiker, dessen Namen ich gerade nicht parat habe.

Danke für Ihren Kommentar, Gruß zurück.

Wir sollten die Kirche nicht im Dorf lassen.

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