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Sparkassen belohnen Firmlinge und Konfirmanden

Bild des Benutzers kretzer

Folgenden Brief schrieb ich heute als E-Mail an unsere Sparkasse.
Die Antwort siehe (weiter unten) kam bereits einige Stunden später.

Sehr geehrte Damen und Herren,

gerade erhielt ich Ihr Magazin "Sparkasse aktuell 03/2013". Auf besonderes Interesse ist bei mir der letzte Beitrag auf der Rückseite gestoßen, "Zur Kommunion und Konfirmation". Sie behaupten darin zunächst, dass "man im Leben einen festen Glauben" brauche, und versprechen dann den Erstkommunionskindern und Konfirmanden einen Spargutschein.

Hierzu eine Frage:

Wir erziehen unsere Kinder ganz im humanistischen und aufklärerischen Sinne dazu, selber zu denken ("sapere aude"). Wenn sie sich, diesem Ideal folgend, nun dazu entschlössen, sich lieber nicht firmen oder konfirmieren zu lassen, erhalten sie dann für diese eigenständige und doch höchst förderungswürdige Denk- und Entschlussleistung auch einen Gutschein von der Sparkasse? Oder beschränkt sich dieses Versprechen auf die Wahl einer - der "richtigen" - Religion? Hat die Sparkasse als öffentlich-rechtliche Institution einen präferierten Glauben?

Ich finde das etwas befremdlich und würde mich über eine Erläuterung freuen.

Mit freundlichen Grüßen,
Andreas Leber

Hier die Antwort der Sparkasse:

Sehr geehrter Herr Leber,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Unser Angebot ist ein Geschenk an die Kommunionkinder und Konfirmanden in unserem Geschäftsgebiet. Eine Wertung oder Diskussion darüber, ob - und wenn ja - was man glauben soll, wird damit nicht impliziert. Demnach ist auch Ihre zweite Frage nach einem präferierten Lebens-Leitsatz bzw. Religion beantwortet. Denn - wie Sie richtig feststellen - sind wir lediglich ein öffentlich-rechtliches Kreditinstitut und keine moralisch-ethische Instanz.

Dass dies missverständlich bei Ihnen angekommen ist tut mir leid.

Freundliche Grüße

Sparkasse Bodensee
Vorstandsstab

D. M.

Meine unmaßgebliche Meinung dazu:

Die Sparkasse ist natürlich frei, Geschenke zu verteilen an wen immer sie möchte, soweit der (öffentliche) Eigentümer keine Einwände hat. Eine Wertung wurde aber dennoch vorgenommen: Zum einen werden ja nicht alle beschenkt, sondern nur die, welche sich im christlichen Sinne wohlverhalten und sich brav firmen oder konfirmieren lassen. Zum anderen enthält die Formulierung "Neben einem festen Glauben braucht man im Leben..." eine klare Wertung für einen Glauben. Eine Wertung, die ich nicht teile angesichts der Grausamkeiten, welche Religionen (und andere Ideologien) weltweit anrichten - zum Beleg möge man sich die nächstbeste Nachrichtensendung ansehen. Wir sollten die Religion überwinden, und nicht noch fördern!

Ich möchte nicht weiter auf Formulierungen und möglichen Absichten herum reiten. Für mich ist diese Werbeaktion der Sparkasse einfach ein schönes Beispiel für die selbstverständliche Einseitigkeit, die sich aus dem religiös geprägten Denken ergibt: Die Religionen (und sonstigen Ideologien) teilen die Menschen ein: In die, welche dazu gehören, die sich wohlverhalten, und andere. Das sind dann andere Religionen oder Sekten (bekommen Kinder von Muslimen auch Geschenke, wenn sie sich für "ihren" angeblich so dringend benötigten Glauben entscheiden? Zeugen Jehovas? Wo wäre die Grenze?) oder eben die, welche angeblich "gar nichts" glauben, Humanisten, Atheisten, Agnostiker, Freidenker, Skeptiker, usw.

Vielleicht ist es mir ja gelungen, bei der Sparkasse etwas Sensibilität zu wecken, dann hätte die kleine Anfrage ihren Zweck erfüllt. Vielleicht gibt es ja zukünftig Geschenke für alle Kinder, die mit 14 "religionsmündig" werden und sich für oder gegen eine Religion entscheiden. Oder die sich eben gar nicht entscheiden - was wohl in diesem zarten Alter der Regelfall sein dürfte.

Kommentare

Vielen Dank für diesen schönen (und erschreckenden) Fund! Die Sparkasse Bodensee diskriminiert mit ihren Geschenken diejenigen Kinder, die nicht den Firlefanz der Kommunion und Konfirmation mitmachen, entweder, weil die Eltern Atheisten, Agnostiker oder aber Juden und Muslime sind, oder weil ihr Gehirn bereits zu arbeiten begonnen hat. Der zitierte Phil Bosmans war übrigens ein belgischer katholischer Ordensgeistlicher, und es ist bestimmt kein Zufall, dass sein Buch "Vergiss die Freude nicht" gerade in einer überarbeiteten Neuausgabe bei Herder herauskam. Vielleicht werde ich auf crazyprocesses.blog.de noch darüber berichten.

Ich habe die Sparkasse auch angeschrieben. Auf eine ganz anders formulierte Anfrage erhielt ich eine fast identische Antwort, mit den gleichen Komma- und Grammatikfehlern. Die Sparkasse Bodensee nimmt ihre Kunden offensichtlich nicht ernst und beschäftigt unfähige Leute in der Kommunikation.

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