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Landgericht Köln: Beschneidung von Jungen strafbar

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Jaques Tilly /
giordano-bruno-stiftung.de

Das Landgericht Köln hat in einem Aufsehen erregenden Urteil festgestellt, dass die Beschneidung von Jungen in Deutschland strafbar ist. Wesentliche Konsequenz des Urteils ist, dass sich Mediziner zukünftig regelmäßig nicht mehr auf Unkenntnis der Rechtslage berufen können werden.

Das Urteil ist in religiösen Kreisen auf erhebliches, ablehnendes Echo gestoßen. Zentrales Argument ist, dass es in das Selbstbestimmungsrecht der Religionen eingreife. Ein Selbstbestimmungsrecht, das es allerdings gar nicht gibt, wie der Kommentar der FAZ zurecht anmerkt.

Hier in chronologischer Reihe einige lesenswerte Kommentare dazu, beginnend mit der Pressemitteilung des Landgerichts:

[26.06.2012] Pressemitteilung LG Köln
http://www.lg-koeln.nrw.de/Presse/Pressemitteilungen/26_06_2012_-_Beschn...

[27.06.2012] Bericht des Humanistischen Pressedienstes (hpd)
http://hpd.de/node/13642

[27.06.2012] Kommentar von Oliver Bendel auf crazyprocesses
http://crazyprocesses.blog.de/2012/06/27/beschneidung-knaben-13952554/
Da blog.de derzeit technische Probleme hat, ist der Beitrag evtl. nicht gut erreichbar.

[28.06.2012] Kommentar der FAZ
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/urteil-zur-beschneidung-d...

[29.06.2012] Auf der falschen Seite der Geschichte
http://hpd.de/node/13652

[29.06.2012] Einen Einblick in die Geschichte des Umgangs von Erwachsenen mit Kindern gibt Harald Stücker auf seinem Blog.
Er listet auf, was bis vor kurzer Zeit alles erlaubt war, und wie weit wir uns inzwischen davon entfernt haben. Sehr sehenswert auch die darin verlinkte Diskussion von Chris Hitchens mit einem Rabbi, der es lustig findet, die Beschneidung seines Sohnes in einen Witz zu kleiden. Chris findet wie so oft exakt den angemessenen, erbosten Tonfall in seiner Antwort:
http://evidentist.wordpress.com/2012/06/29/hoert-ihr-die-kinder-weinen/

[03.07.2012] Die beschnittene Psyche - hpd
http://hpd.de/node/13674

[04.07.2012] Scharfe Klingen - Stumpfe Logik: Ausführliche, sachliche Zusammenfassung der üblicher Weise verwendeten Argumente
http://hpd.de/node/13684

[09.07.2012] Staatsanwaltschaft verzichtet auf Revision: "Urteil juristisch einwandfrei"
http://hpd.de/node/13709

[11.07.2012] Hat die Religion Narrenfreiheit oder gilt das Grundgesetz?
Insbesondere Holm Putzke brilliert in der Sendung bei Anne Will: http://hpd.de/node/13746

[16.07.2012] Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie äußert sich positiv zum Urteil des LG Köln
http://www.dgkic.de/index.php/presse/189-pressemitteilung-juli-2012

[16.07.2012] Offener Brief von Prof. Dr. Uwe Hillebrand an Bundeskanzlerin Angela Merkel
http://www.wissenbloggt.de/?p=12225

[17.07.2012] Kinderrechte sind keine Bagatelle
OBERWESEL. (hpd/gbs) Mit deutlichen Worten hat der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon, die Pläne deutscher Politiker kritisiert, die nach der Sommerpause ein Gesetz auf den Weg bringen wollen, das religiös motivierte Vorhautbeschneidungen bei Kleinkindern und Knaben legitimieren soll.
http://hpd.de/node/13768

[17.07.2012] "Die neue Sprache des Antisemitismus ist die Sprache der Menschenrechte"
Artikel von Peter Monnerjahn auf telepolis, mit dem er u. a. auf Reaktionen von jüdischer Seite auf das Beschneidungsverbot antwortet.
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37292/1.html

[19.07.2012] Entschließungsantrag der Fraktionen von CDU/CSU, SPD und FDP an die Bundesregierung,
die aufgefordert wird, die Beschneidung aus religiösen Gründen so schnell und so gründlich wie möglich zu regeln.
http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/103/1710331.pdf

[20.07.2012] Bundestag will Kinderrechte beschneiden
Kommentar von Michael Schmidt-Salomon, dem Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, zum Entschließungsantrag des Bundestages:
http://hpd.de/node/13792

[11.09.2012] Was das Judentum ausmacht: Prof. Dr. Michael Wolffsohn relativiert die Aussagen führender jüdischer Funktionäre und Geistlicher deutlich.
BERLIN. (hpd) Mit einem Artikel in der Welt hat vor wenigen Tagen der international renommierte Historiker und Publizist Prof. Dr. Michael Wolffsohn in die Debatte um die religiös begründeten Beschneidungen von Knaben eingegriffen und deutlich gemacht, dass nicht die Beschneidung die Zugehörigkeit zum Judentum ausmacht, sondern die Abstammung von einer jüdischen Mutter.
Er zeigt an einer Vielzahl von Beispielen, dass die Beschneidungspraxis innerhalb des Judentums durchaus umstritten war und ist. Für ihn ist das Kölner Beschneidungsurteil eine Gelegenheit, jüdische Inhalte zu überdenken. Und er weist Bezugnahmen der jüdischen Seite auf den Holocaust sowie Drohungen mit Auswanderung mit deutlichen Worten zurück.
http://hpd.de/node/13950

[18.09.2012] "Diese Bewegung kann man nicht aufhalten."
BERLIN. (hpd) Vergangene Woche war in Berlin eine Bundespressekonferenz, zu der die Deutsche Kinderhilfe eingeladen hatte. Vertreter verschiedener Organisationen, die sich gegen die Zwangsbeschneidung engagieren, waren geladen. Der hpd interviewte einen von ihnen: Eran Sadeh, Rechtsanwalt und Gründer von Protect the Child, Israel.
http://hpd.de/node/14003

[27.09.2012] Kommentar von Walter Otte.
BERLIN. (hpd) Erneut hat sich Dr. Michael Wolffsohn in der Debatte um eventuelle Knabenbeschneidungen zu Wort gemeldet. Bereits vor einigen Wochen hat er zu einer Versachlichung der Debatte aufgerufen, die Beschimpfung der Beschneidungskritiker als Antisemiten verurteilt und die jüdische Community zu einer Auseinandersetzung mit ihren religiösen Praktiken aufgerufen. [...]
So sieht Religionsfreit aus der Sicht dieser religiösen Richtung aus: Zwangsmitgliedschaft in ihrem Verband, Säuglingen oktroyiert. Mit den Menschenrechten hat dies nichts zu tun – es ist ein Verstoß gegen die Werteordnung und die Garantien des Grundgesetzes. Wenn aber etwas "heilig" ist in diesem Land, dann sind es die für alle Menschen in Deutschland maßgeblichen Regelungen des Zusammenlebens, zuallererst die Menschenrechte. An die haben sich auch Gläubige zu halten.
http://hpd.de/node/14055

[28.09.2012] Kinder sollen rechtlos gestellt werden. Kommentar von Walter Otte zum Entwurf des Justizministeriums.
http://hpd.de/node/14063

[28.09.2012] Die Erosion des religiösen Diskurses. Beiträge von Holm Putzke (Beirat gbs) in einer Podiumsdiskussion in Erlangen.
Der Schulterschluss der Religionen (Christen, Muslime, Juden) gegen den säkularen Rechtsstaat ist nur möglich, weil es nicht mehr um die religiösen Inhalte geht.
http://hpd.de/node/14066

[18.10.2012] Die Alltagsvernunft in der Komikernation. Kommentar von Harald Stücker zur Stellungnahme pro Beschneidung von Frau Zypries.
BERLIN. (hpd) In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Recht und Politik (3/2012) haben der Strafrechtler Holm Putzke und die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries zum Thema „Ist die religiöse Beschneidung Körperverletzung?“ Stellung genommen. Das Folgende ist ein Kommentar zur Stellungnahme für die Knabenschneidung von Frau Zypries.
Link zur Stellungnahme von Holm Putzke und Brigitte Zypries
http://hpd.de/node/14152 zum Artikel auf hpd

Was die Grünen dazu sagen

Unter den reflexartig empörten Reaktionen der ersten Tage nach Bekanntwerden des Landgerichtsurteils waren viele von Politikern, und leider haben sich auch die Gründen mehrheitlich entsprechend geäußert. Da ich (noch) Mitglied dieser Partei bin, interessieren mich die Stellungnahmen speziell der Grünen-Politiker.

[09.07.2012] Volker Beck: "Juden und Muslime in Deutschland brauchen Rechtssicherheit", Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung
http://beckstage.volkerbeck.de/2012/07/06/beschneidung/#more-534

[29.10.2012] Grüne Kinderpolitik ade?
BERLIN. (hpd) Es war einmal, da wollten die Grünen weder links noch rechts sondern einfach „vorne“ sein. Vorne - somit auf der Höhe der Zeit und unter Einbeziehung modernster Erkenntnisse, ohne ideologische Scheuklappen und nicht fixiert auf Überkommenes - wollten sie die Probleme dieser Welt angehen und zu lösen versuchen. - Ein Kommentar von Walter Otte
http://hpd.de/node/14217

Kommentare

Internationale Konferenz in Frankfurt. Genital Autonomy 2015 Myths and Multiple Standards

Unumstrittener Höhepunkt der Konferenz war jedoch der Vortrag von Mina Ahadi (Zentralrat der Ex-Muslime), die für ihr engagiertes Auftreten für die genitale Unversehrtheit von Mädchen und Jungen im muslimisch geprägten Kulturkreis und ihre mutige Arbeit im Allgemeinen mit stehenden Ovationen gefeiert wurde.

https://intaktiv.de/pm-genital-autonomy-2015/

Schluss mit der Kinderbeschneidung – auch in islamisch geprägten Ländern

Von Mina Ahadi

http://exmuslime.com/schluss-mit-der-kinderbeschneidung/

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